Der wöchentliche Newsletter des Deutschen club auf Mallorca
Folge 121 von Egon Garding
Cala Ratjada - - Foto Useful Quotes
Palma im Weihnachtsfieber: Der Streit um den Glühwein zieht um
Wer glaubte, Palma könne in der Adventszeit endlich zur Ruhe kommen, kennt die Insel schlecht. Der umstrittene Weihnachtsmarkt ist wieder da. Neu ist nur, dass er umgezogen ist: vom Sa-Feixina-Park in den Parc de la Mar, direkt vor die Kathedrale. Auch Weihnachtsmärkte suchen eben nach der besseren Lage. Die Anwohner von Santa Catalina dürfen aufatmen, denn die Lärmkulisse ist weitergezogen. Wo die Nachbarn früher mit Ohrenstöpseln schliefen, schlafen jetzt die Möwen schlechter.
Gelöst ist damit allerdings nichts, es hat sich nur das Publikum der Beschwerden geändert. Dieses Jahr beklagen sich die Händler des städtischen Markts in Ses Estacions. Sie sehen in den 60 Holzhütten, der Eisbahn und den 46 Markttagen des Privatmarkts einen Konkurrenten. Dafür sammeln sie Unterschriften, um zur Plaza de España zurückzukehren. Dort hat der Markt früher stattgefunden, bevor die Bauarbeiten begannen. Die Arbeiten sind inzwischen seit zwei Jahren abgeschlossen. Nach Palmaer Zeitrechnung ist das beinahe pünktlich.
Ein Stand im privaten Markt kostet knapp 3000 Euro. Für den Preis bekommt man anderswo ein ordentliches Wochenende auf der Insel, mit Hotel. Die Händler winken dankend ab. Für sie ist es ein Stand mit Aussicht auf Kathedrale, aber ohne Aussicht auf Gewinn.
Die Wirtschaftsverbände Afedeco und Pimeco hingegen sind begeistert. Sie sehen im Markt einen Gewinn für das Zentrum, und das ist verständlich. Bei Glühwein, der Kathedrale und rund 60 Buden stellt sich die Frage nach der Konkurrenz schnell anders.
Und die Stadt? Sie schaltet am 21. November die Weihnachtsbeleuchtung ein, ganz offiziell und mit großem Programm, praktischerweise am selben Tag, an dem der Markt öffnet. Das ist natürlich reiner Zufall. In Palma gibt es bekanntlich keine Zufälle, sondern nur gute Terminplanung.
Fazit: Frieden herrscht noch keiner. Aber wer weiß, vielleicht einigt man sich bis Heiligabend, zumindest darauf, dass der Glühwein dieses Jahr wieder warm sein soll.
Der Staat hat den Urlaub entdeckt
Der Staat hat entdeckt, dass Urlaub schön ist, und möchte zehn Prozent davon. Die Regierung hat ein Paket mit 21 Maßnahmen beschlossen, eine trifft die Ferienvermietung: Ab dem 1. Dezember 2026 soll für bestimmte Vermietungen Mehrwertsteuer von zehn Prozent gelten. Auf den Balearen könnten bis zu 26.143 Unterkünfte betroffen sein. Gemeint sind möblierte Wohnungen mit höchstens 30 vermieteten Nächten im Jahr oder Angebote mit Reinigung, Wäsche oder Verpflegung. Die Finca für 2.000 Euro die Woche kostet dann 2.200, zwei Wochen 4.400 statt 4.000. Vermieter können die Steuer auch aus dem bisherigen Preis herausrechnen, dann bleibt ihnen netto weniger. Es ist weder Touristensteuer noch Ökosteuer, nur eine weitere Zahl auf der Rechnung. Nicht jede private Vermietung ist betroffen. Trost für Mieter: Die Begrenzung von Mieterhöhungen gilt bis Ende 2027.
Die Touristensteuer dreht sich im Kreis
Gute Nachrichten für alle, die fanden, dass Mallorca noch zu wenige Mühlen hat: Der Inselrat gibt rund 2,5 Millionen Euro für die Restaurierung von 35 historischen Mühlen. Profitieren werden 19 Gemeinden, mit 23 Wassermühlen und zwölf Getreidemühlen. Die Zuschüsse decken 75 Prozent der Kosten, den Rest zahlen die Eigentümer, zusammen sind es etwa 3,35 Millionen Euro. Das Geld stammt aus der Touristensteuer, die also nicht im Nichts verschwindet, sondern sich im Kreis dreht, ganz wie eine Mühle. Restauriert werden nicht nur die Gebäude, sondern auch die historischen Maschinen und technischen Anlagen. Umgesetzt wird 2026 und 2027. Die Mühlen erinnern an die Zeit, als Wasser und Wind die Insel antrieben. Wer sie heute antreibt, darf jeder selbst raten.
Mieten auf Mallorca: Plus von 92 Prozent in fünf Jahren
Wer auf Mallorca eine Wohnung mieten will, braucht einen langen Atem und einen dicken Geldbeutel. Neue Zahlen belegen die Entwicklung: Zwischen 2020 und 2025 sind die durchschnittlichen Mieten bei Neuverträgen auf den Balearen um 91,6 Prozent gestiegen, von rund 726 Euro auf mehr als 1.390 Euro im Monat.
Die Daten stammen aus den hinterlegten Mietkautionen beim Institut Ibavi und werden vom Wohnungsobservatorium der Balearen ausgewertet.
In Palma kletterte die Durchschnittsmiete von gut 756 Euro auf rund 1.580 Euro. Auf der ganzen Insel Mallorca stieg sie von knapp 729 auf gut 1.400 Euro. Besonders krass ist die Lage in einzelnen Gemeinden: In Pollença stieg die Miete von rund 613 auf über 2.050 Euro, in Santanyí von rund 720 auf fast 1.980 Euro. In Calvià liegt sie inzwischen bei etwa 1.400 Euro.
Auf Menorca fiel der Anstieg mit einem Sprung von rund 544 auf 856 Euro moderater aus. Auf Ibiza lag das Niveau schon 2020 sehr hoch und ist seither ungefähr gleich geblieben.
Besonders schnell ging es zuletzt: Allein zwischen 2024 und 2025 legte die durchschnittliche Miete auf den Balearen um fast 344 Euro zu.
Tourismusexperte: Mallorca an einem „äußerst schwierigen Punkt“
Wohin steuert der Tourismus auf Mallorca? Dazu hat sich ein erfahrener Beobachter zu Wort gemeldet: Juan Luis Ruiz Collado, preisgekrönter Tourismusanalyst und jahrzehntelang Fremdenverkehrskorrespondent. Im September wurde er von der balearischen Tourismusagentur Aetib für sein Lebenswerk geehrt.
Sein Urteil fällt deutlich aus: Mallorca befinde sich an einem „äußerst schwierigen Punkt“. Obwohl die Legislaturperiode zu Ende gehe, lägen noch immer dieselben Probleme auf dem Tisch. Die Lebensqualität der Einheimischen nehme ab, während die Infrastruktur überlastet sei.
Ruiz Collado kritisiert alle großen Parteien, die konservative PP, die sozialistische PSIB und die Linksbündnisse. Sie verstrickten sich in utopische Projekte, statt das eigentliche Problem anzupacken, nämlich Ordnung in den Tourismus zu bringen.
Als ungelöst nennt er die Wohnungskrise und die illegale Ferienvermietung. Dazu kämen seit 2022 ständig steigende Preise in Hotels und Restaurants und Besucherzahlen, die ohne Steuerung wachsen. Es fehle der politische Mut für wirksame Maßnahmen.
Sein Fazit: Mallorca braucht jetzt strategische Entscheidungen für die wirtschaftliche Zukunft der Insel.
Wohnmobil Maßnahmen konkretisieren – Ergänzung zu unserem Artikel aus der Vorwoche
Wohnmobil-Regeln seit 1. Oktober 2026 (Real Decreto 518/2026)
Das Dekret ergänzt die spanische Straßenverkehrsordnung (Reglamento General de Circulación) um einen neuen Absatz 4 in Artikel 92. Er regelt erstmals ausdrücklich das Abstellen von Wohnmobilen, Campervans und anderen als Wohnraum eingerichteten Fahrzeugen. Bisher hing die Grenze zwischen Parken und Campen von der Auslegung der örtlichen Polizei und der jeweiligen Gemeindeverordnung ab.
Die drei Bedingungen für „korrekt geparkt"
Kein Element ragt über den Fahrzeugumriss hinaus. Das betrifft Markise, Tisch, Stühle und Stufen. Auch Stützbeine gehören dazu. Das Fahrzeug steht nur auf den Reifen. Sicherheitskeile sind nach dieser Quelle erlaubt. Ein Fachportal (Autofácil) schreibt dagegen, dass auch Keile nicht zulässig sind.
Es laufen keine Flüssigkeiten aus dem Fahrzeug. Das gilt für Grauwasser, Schwarzwasser und Reinigungswasser.
Wer alle drei Bedingungen erfüllt, darf nicht allein deshalb bestraft werden, weil das Fahrzeug als Wohnraum eingerichtet ist oder jemand darin ruht. Das Übernachten im Fahrzeug ist damit in diesem Rahmen nicht strafbar.
Wer eine Bedingung verletzt, etwa durch Ausfahren der Markise, gilt als Camper und nicht mehr als Parker.
Gemeinden
Die bisherigen Sonderverbotsschilder nur für Wohnmobile fallen weg. Wohnmobile dürfen dort stehen, wo auch Pkw parken.
Das Dekret streicht den alten Artikel 93 und verlagert die Regelungsbefugnis der Gemeinden in den neuen Artikel 156. Einschränkungen müssen begründet sein und für alle Fahrzeuge gelten, nicht nur für Wohnmobile.
Zulässig bleiben allgemeine Regeln wie Höchstparkdauer oder Verbote für große Fahrzeuge. Auch Gebühren nach Fahrzeuggröße und Umweltplakette sind möglich.
In Naturschutzgebieten und an der Küste bleibt das Übernachten streng reglementiert.
Wenn man trotzdem ein Bußgeld bekommt
Das Fahrzeug mit sichtbarer Beschilderung fotografieren und Widerspruch einlegen. Dabei Artikel 92.4 in der Fassung des Real Decreto 518/2026 zitieren.
Was ist mit Hochdach
Das Dekret enthält nach meiner Recherche keine eigene Höhenregel für Hochdach-Fahrzeuge. Maßgeblich ist der Umriss in der Draufsicht (die „Projektion in der Draufsicht"), nicht die Höhe.
Aufstelldach und Dachluken: Die DGT-Anweisung PROT 2026/04 vom März zählt das Anheben des Dachs oder das Öffnen von Dachluken zum Parken, solange nichts über den Fahrzeugumriss hinausragt. Das Dekret nennt das Aufstelldach nicht ausdrücklich. Ein Forumsbeitrag widerspricht und hält auch das Anheben des Dachs für unzulässig. Das ist nur eine Einzelmeinung, aber ein Restrisiko bei strenger Polizei vor Ort.
WETTER
Liebe Sonnenanbeter, Kürbis-Skeptiker und Tramuntana-Flüsterer,
Mallorca lässt sich vom Kalender weiterhin nicht beeindrucken. Während in Deutschland die ersten Nebelschwaden durch die Vorgärten kriechen, serviert die Insel bis zum Monatsende Wetter, das sich glatt als Werbeprospekt bewerben ließe. Der Herbst darf zuschauen, mitspielen darf er vorerst nicht.
Sonntag, der 25., beginnt mit 24 Grad und viel Sonne. Das Regenrisiko liegt bei harmlosen 10 Prozent, die Sorte Wolke, die nur nachsehen will, ob die Liegen noch besetzt sind.
Montag legt noch eine Schippe drauf: 25 Grad, null Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Das ist keine Vorhersage mehr, das ist ein Versprechen mit Handschlag. Die Kathedrale von Palma glänzt, und die Strandbars denken gar nicht daran, ihre Sonnenschirme einzulagern.
Dienstag bleibt es bei 25 Grad, und der Himmel erlaubt sich bei 10 Prozent Regenrisiko höchstens ein paar verirrte Schleierwolken.
Mittwoch pendelt sich die Insel bei 23 Grad ein, der Regen schrumpft auf 5 Prozent, also eher ein Gerücht als ein Wetter.
Donnerstag bleibt es bei 23 Grad und 10 Prozent Regenrisiko. Die Tramuntana sieht einfach nur schön aus und verzichtet auf dramatische Wettergesten.
Freitag, der 30., dürfte bei rund 23 Grad ähnlich freundlich ausfallen, mit einem Hauch Wolken und kaum Regenrisiko.
Samstag, der 31., ist Halloween. Gruselig wird es bestenfalls auf den Rechnungen der Strandbars, denn das Wetter hält sich bei etwa 22 bis 23 Grad vornehm zurück. Gespenster brauchen hier keinen Mantel, höchstens eine leichte Jacke für den Heimweg.
Die Nächte zeigen derweil, dass der Kalender doch recht hat: Zwischen 11 und 13 Grad geht es abends nach unten. Der Absacker auf der Terrasse gelingt nun mit Pullover, und wer die Jacke daheim lässt, handelt auf eigene Gefahr. Regenschirme dürfen diese Woche getrost im Schrank Staub ansetzen.
Fazit der Woche: Sonnenbrille im Gepäck, Pullover für den Abend und die stille Weigerung, den Herbst zur Kenntnis zu nehmen. Mehr braucht es nicht, um diese Woche auf Mallorca schadlos zu genießen. ¡Salud! und bis zur nächsten Vorhersage.