Mallorca 44. Woche

Der wöchentliche Newsletter des Deutschen club auf Mallorca

Folge 122 von Egon Garding

Son Real

Wie geht es mit dem Mandelanbau auf Mallorca weiter?

Mandelblüte mit Nebenwirkungen - Die Probleme

Mallorca hat ein Problem, und diesmal heißt es nicht Ballermann. Es trifft die Mandel.

DasFeuerbakterium Xylella fastidiosa – ein Name, der klingt wie ein verkrachter Operntenor – sucht die Insel heim und hat bei Sineu gleich eine ganze Plantage ins Jenseits befördert.

Wenigstens ein Gast, der nicht über den Preis des Sonnenschirms meckert, sondern gleich alles mitnimmt. Rund sieben Millionen Mandelbäume stehen auf 24.400 Hektar, und immer mehr davon liegen mit Pilzbefall im Bett. Begünstigt wird das durch große Schnittwunden und das hohe Alter der Bäume. Man könnte sagen: Die Bäume leiden an denselben Beschwerden wie ihre Besitzer. Zu alt, zu oft zurechtgestutzt und anfällig für alles, was sich ungebeten einnistet.

Dazu der Trockenanbau: Wasser gibt es keins, der Baum soll sich gefälligst selbst helfen, wie es sich für einen echten Insulaner gehört. Der Kilopreis ist niedrig, die Absatzwege bleiben, wie sie sind, und wer da noch Optimismus verbreitet, hat entweder zu viel Sonne oder zu viel Mandellikör erwischt. Jedes Jahr verschwinden rund 1000 Hektar – als würde jährlich ein mittelgroßer Landkreis diskret den Raum verlassen. Die Zukunft? „Ungewiss“, sagen die Experten. Das ist die höfliche Art, „Daumen drücken“ zu sagen.

 

Broschüren gegen Baumpilz

Gegenmaßnahmen und Perspektiven

Die Balearen-Regierung hat reagiert, wie Regierungen eben reagieren: mit Broschüren. Die Bauern sollen ihre Bäume besser pflegen. Und wer wüsste nicht, dass sich ein Pilz vor nichts mehr fürchtet als vor farbig gedrucktem Papier? Man darf annehmen, dass Xylella beim Anblick eines Faltblatts umgehend die Koffer packt.

Handfester ist das Projekt bei Can Picafort. Dort entsteht eine Art Samenbank, in der schon 68 Mandelsorten wachsen. Es sollen 380 werden, so viele sind auf der Insel registriert.

Mallorca besitzt also 380 Mandelsorten, und vermutlich hat noch niemand die Hälfte davon im Gebäck gehabt. Es ist wie mit den Originalen im Dorf: Man weiß, dass es sie gibt, bis man sie zählen muss. Und dann sind da die Optimisten. Der Marketing Beauftragte einer Kooperative versichert, die Mandel habe auf Mallorca natürlich eine Zukunft. Natürlich sagt der Marketingmann. Auch ein Vertreter der geschützten Herkunftsbezeichnung „Ametlla de Mallorca“ glaubt nicht, dass die Produktion verschwindet. Beruhigend, dass ausgerechnet jene so reden, die von der Mandel

leben. Früher war sogar mal von einer rekordverdächtigen Ernte die Rede.

Rosa Aussichten

Immerhin: Die Mandelblüte bleibt uns vorerst erhalten. Sie beginnt typischerweise Mitte bis Ende Januar, also genau dann, wenn der Mitteleuropäer daheim im Nebel sitzt und sich fragt, warum er nicht längst ausgewandert ist. Auf Mallorca dagegen verwandelt sich die Insel in eine Postkarte, und die Touristen strömen herbei, um rosa-weiße Bäume zu fotografieren, die sie auf dem Handy in drei Jahren nicht mehr wiederfinden.

Das ist die eigentliche Pointe: Der Baum, der unter Bakterien, Pilzen und Preisdruck ächzt, macht ausgerechnet im Winter die beste Figur. Er blüht, als gäbe es kein Morgen – was, wenn man sich die Lage ansieht, durchaus doppeldeutig ist. Die Blüte ist die Attraktion, die Mandel selbst nur noch der Nebeneffekt. Der Mandelbauer als Landschaftsgärtner der Nation, bezahlt in Selfies.

So bleibt es bei der alten Weisheit: Solange der Mandelbaum blüht, darf man hoffen. Und wer hofft, kann den Kilopreis getrost vergessen. Wer im Januar kommt, bekommt Blüte ohne Hochsaisonpreise, und die Bauern bekommen Aufmerksamkeit, wenn schon kein Geld. Für eine Insel, die sonst gern alles zu Geld macht, ist das fast schon rührend. Man kann nur hoffen, dass sich der Baum seine Gelassenheit bewahrt

Aus die Maus, Dino!

Nach über dreißig Jahren ist Schluss: Palmas Rathaus lässt die Dinosaurier an der Playa de Palma aussterben. Ein Meteorit wäre günstiger gewesen, hat aber leider keine Baugenehmigung. Der Stadtrat dagegen hat 7,8 Millionen Euro – und die Unterschrift, die zählt.

Seit 1993 begrüßten Plastik-Saurier hier Familien mit Schläger und Eis in der Hand. Jetzt soll Natur her. Echte versteht sich: Dünen, Buschwerk, Pinien. Man reißt also ein Paradies aus Beton und Kunststoff ab, um in zwei Jahren Bauzeit mühsam anzupflanzen, was dort früher von allein wuchs. Renaturierung nennt man das.

Andere sagen: Fortschritt im Rückwärtsgang – mit Vorwärtsrechnung. Die Anwohner jubeln, sie wollten ihren Park schon immer. Die Kinder stehen

derweil ratlos am Zaun und fragen, wo sie künftig ihre 54 Löcher einlochen sollen. Die Stadt antwortet souverän: Es gibt Infotafeln zur Biodiversität. Spielspaß geht anders, aber lehrreich ist er allemal.

Am härtesten trifft es die Väter. Wo sonst durfte Papa vor Publikum am Brachiosaurus scheitern, ohne dass es jemand ernst nahm? Künftig scheitert er eben

auf dem Wanderweg – ganz natürlich, zwischen Pinie und Infotafel.

Bleibt die Wehmut. Das letzte Loch wird für alle zum Hole-in-One der Nostalgie.

Tschüss, Dino. Du warst größer als jede Windmühle – und anders als so mancher Beschluss hattest du wenigstens Rückgrat, auch wenn es aus Plastik war.

Voll ist voll

Auf Mallorca ist jetzt offiziell kein Platz mehr. Das verkündete die frisch gegründete Coalició per Mallorca Ende September in Palma, und das Publikum klatschte. Eine ungewöhnliche Begrüßung für eine Insel, die seit Jahrzehnten vom Kommen lebt. Aber Parteien sind lernfähig: Sie lernen, was beklatscht wird. Die Rechnung dahinter ist bestechend einfach. Wer 28 Prozent Zugezogene zählt, sieht Ghettos. Wer dagegen Millionen Urlauber zählt, sieht offenbar Gäste. Eine Frage der Perspektive – und der Sonnencreme.

Auch das Mallorquiner-Sein wird neu definiert: Man erbt es nicht, man muss es sich verdienen, indem man Identität und Interessen der Insel respektiert. Ob dafür eine Prüfung vorgesehen ist, bleibt offen. Man munkelt von Ensaïmada-Weitwurf und einem mündlichen Examen in Sobrassada-Kunde.

 Besonders charmant: Die Zahl der Betten soll um zehn Prozent sinken. Wohin mit den Überzähligen, verrät die Partei nicht. Vermutlich steht künftig am Flughafen ein freundlicher Herr mit Schild: „Sorry, voll.“

Und wir? Wir sitzen auf der Plaça, rühren im Cortado und fragen uns, ob wir zum Bestand gehören oder schon zum Überschuss. Wer „Ensaïmada“ fehlerfrei

buchstabiert, darf bleiben. Probesitzen ist erlaubt, Nachsitzen vorerst nicht. Wer sicher gehen will, bringt eine Tüte Mandelgebäck als Gastgeschenk mit.

Kann ich als Deutscher die spanische Staatsagehörigkeit erlangen ohne meine Deutsche zu verlieren. Wenn ich sie bekommen kann, was hat das für Auswirkungen auf mich?

Kurz gesagt: ja, aber mit einer Besonderheit.

Deutsche Seite: Deutsche, die die spanische Staatsangehörigkeit auf Antrag erwerben, verlieren die deutsche nach geltendem deutschem Recht nicht.

Spanische Seite: Spanien verlangt von Deutschen vor der Einbürgerung grundsätzlich eine Erklärung, dass sie auf die bisherige Staatsangehörigkeit verzichten. Ausgenommen sind nur Bürger iberoamerikanischer Länder, Andorras, der Philippinen, Äquatorialguineas, Portugals und sephardische Juden. Ein Abkommen mit Deutschland gibt es nicht.

Was die Verzichtserklärung bedeutet

Mehrere Rechtsanwälte sagen, die Erklärung vor der spanischen Behörde habe in Deutschland keine Rechtswirkung. In Spanien gelten Sie dann nur als Spanier, in Deutschland weiter als Deutscher.

Die deutsche Botschaft in Madrid verweist weiterhin auf den formalen Weg über das Bundesverwaltungsamt. Nur mit dessen Verzichtsurkunde geht die deutsche Staatsangehörigkeit verloren. Diesen Antrag sollten Sie nicht stellen.

Die Rechtslage ist in der Praxis nicht eindeutig, weil sich Spanien und Deutschland widersprechen. Lassen Sie sich vorab von einem auf Staatsangehörigkeit spezialisierten Anwalt in Spanien beraten.

Voraussetzungen ohne Gewähr

In der Regel 10 Jahre legaler, ununterbrochener Aufenthalt in Spanien.

Nachweis von Sprachkenntnissen (DELE A2) und ein Test zu Kultur und Verfassung (CCSE).

Führungszeugnis und Nachweis der Integration.

Je nach Familienstand und Aufenthaltsdauer gibt es Verkürzungen. Die aktuellen Details finden Sie beim spanischen Justizministerium.

Auswirkungen auf Sie

Spanien: Sie sind rechtlich nur noch Spanier. Sie weisen sich dort mit spanischen Dokumenten aus, und Aufenthaltsfragen entfallen.

Wahlrecht: Sie dürfen dann auch an spanischen Parlaments- und Regionalwahlen teilnehmen. Bisher gilt als EU-Bürger nur das Kommunalwahlrecht.

Verlust der spanischen Staatsangehörigkeit: Eingebürgerte können sie verlieren, wenn sie mehr als 3 Jahre im Ausland leben und ausschließlich die andere Staatsange-hörigkeit nutzen, ohne eine Erklärung beim Konsulat abzugeben. Das betrifft Sie nur, wenn Sie Spanien dauerhaft verlassen.

Deutschland: Ihr deutscher Pass und Ihre Rentenansprüche bleiben unberührt. Die Rückkehr nach Deutschland, etwa im Alter oder bei Krankheit, bleibt offen.

 Steuern: Maßgeblich ist der Wohnsitz, nicht die Staatsangehörigkeit. Sie sind ohnehin in Spanien ansässig, daran ändert sich nichts.

Erbrecht: Mit der spanischen Staatsangehörigkeit erhalten Sie eine vecindad civil. Auf Mallorca kann das balearisches Erbrecht bedeuten, das anders ist als das Erbrecht des spanischen Zivilgesetzbuchs. Wegen Ihres gemeinsamen Vermögens mit Ihrer Frau und der Immobilie sollten Sie das mit einem Notar oder Anwalt klären, bevor Sie den Antrag stellen.

Zusammenstellung der Vorteile für einen EU-Bürger auf Mallorca.

Als EU-Bürger, der ohnehin dauerhaft in Spanien lebt, haben Sie schon fast alle Rechte. Der Gewinn ist deshalb eher Sicherheit und Mitsprache als neue Möglichkeiten.

Konkrete Vorteile

Volles Wahlrecht: Sie könnten bei spanischen Parlaments- und Regionalwahlen mitwählen. Bisher dürfen Sie als EU-Bürger nur bei Kommunal- und Europawahlen wählen.

Dauerhaft gesichertes Aufenthaltsrecht: Spanier können nicht ausgewiesen werden und brauchen keine Aufenthaltsbescheinigung. Für EU-Bürger gilt das nach 5 Jahren Aufenthalt ohnehin weitgehend, aber Ihre Stellung hängt nicht mehr von EU-Regeln oder politischen Entwicklungen ab.

Weniger Bürokratie: Statt NIE und grünem Zertifikat haben Sie DNI und spanischen Pass. Das erleichtert den Umgang mit Behörden, Banken und Notaren.

Konsularischer Schutz: Spanien schützt Sie zusätzlich zu Deutschland, etwa auf Reisen oder in Drittstaaten.

Öffentlicher Dienst: Stellen, die Spaniern vorbehalten sind, stünden Ihnen offen. Das ist bei Ihnen kaum relevant.

Lateinamerika: Einige Länder bieten Spaniern erleichterte Aufenthalts- oder Einbürgerungsregeln.

Was sich nicht verbessert

Gesundheitsversorgung, Rente und Steuern hängen von Wohnsitz und Versicherungsverhältnissen ab, nicht von der Staatsangehörigkeit.

Der deutsche Pass ist ebenso stark wie der spanische. Sie gewinnen keine Reisefreiheit.

Ihre Rechte als EU-Bürger bleiben gleich.

Auch zu bedenken

Als Spanier können Sie für Schöffengerichte (jurado) ausgelost werden. Diese Pflicht hat bis zum 70. Lebensjahr Gültigkeit, danach entfällt sie.

Der Antrag dauert lange und kostet Gebühren.

Die erwähnten Erbrechtsfolgen (vecindad civil) sollten Sie vorher klären.

Wenn Sie die Staatsangehörigkeit vor allem als Absicherung wollen oder Ihnen das Wahlrecht wichtig ist, lohnt sich der Antrag. Wenn Sie nur praktische Vorteile suchen, bringt er wenig.

 

WETTER, WETTER, WETTER

Guten Morgen, liebe Insel! Das Meer hat noch 23 Grad, die Luft schon Herbstlaune. Hier ist Ihr Wetter:

 

Freitag, 30.10. – Tropfen-Casting

Bis 22 Grad, vereinzelt Regen (ca. 38 %). Die Wolken proben noch, wer am Wochenende den Hauptpart bekommt.

Samstag, 31.10. – Sonne mit Sturmfrisur

Sonnig, 21 Grad, kaum Regen (22 %). Dafür soll es windig werden: Wer Halloween-Masken trägt, bitte festbinden.

Sonntag, 01.11. – Allerheiligen-Idylle

Sonne satt, 21 Grad, nur 17 % Regenrisiko. Ideal für den Cortado auf der Terrasse – Jacke trotzdem in Griffweite.

 

Montag, 02.11. – Der Wettergott hat Montagslaune

Nur noch 19 Grad, Regenrisiko hoch bei 57 %. Die Quellen streiten, ob Sonne oder Schauer – wie beim Familienessen.

 

Dienstag, 03.11. – Wolkig, mit Aussicht auf Pullover

19 Grad, Regen eher unwahrscheinlich (17 %). Die Wellen legen zu, bis 1,8 Meter: Für Surfer Mallorcas Moment des Jahres.

 

Mittwoch, 04.11. – Leiser Herbst

19 Grad, leichter Regen möglich (41 %). Das Meer hat dennoch 23 Grad – wärmer als mancher Büroraum in Deutschland.

 

Donnerstag, 05.11. – Der Saisonabschied

Um die 22 Grad, dicke Wolken und Schauer (rund 36 % Regenwahrscheinlichkeit). Die Insel verabschiedet die Touristen mit einer Dusche – inklusive, kein Aufpreis.

 

Fazit: Erst nass, dann sonnig, dann kühl – typisch Mallorca im Spätherbst. Bleiben Sie trocken und optimistisch!

In diesem Sinne, eine schöne und eine erfolgreiche Woche auf der Insel oder wo auch immer Sie sind.

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