Mallorca 41. Woche
Wichtige Kurznachrichten aus Mallorca
Folge 119 von Egon Garding
Kathedrale in Palma
Tausende neue Wohnungen? Vorerst Fehlanzeige
Auf dem Papier sieht es gut aus. Die Inselregierung plant einen Sofortplan mit 10.006 erschwinglichen Wohnungen, das kumulierte Defizit auf den Balearen beziffert sie auf rund 17.000 Wohnungen. Doch zwischen Plan und Schlüsselübergabe liegt ein Graben, und der hat vor allem einen Namen: Personal.
Es fehlen schlicht die Leute, die bauen. Für ganz Spanien ist von 700.000 fehlenden Maurern die Rede, während der Anteil der Bauarbeiter an den Beschäftigten seit der Krise von 14 auf unter 7 Prozent gesunken ist. Auf Mallorca kommt die Altersstruktur hinzu. Schon 2024 meldete der Bauunternehmerverband einen Bedarf von 5.000 bis 5.500 Fachkräften, 20 Prozent der Bauarbeiter waren älter als 55. Die Alten gehen, die Jungen kommen nicht nach. Als Grund wird die magere Bezahlung genannt, mancher Geselle verdient kaum mehr als 1.100 bis 1.200 Euro im Monat.
Wer auf der Insel arbeiten will, braucht zudem ein Dach über dem Kopf. Viele Bauarbeiter müssen einen erheblichen Teil ihres Einkommens für die Miete aufbringen und teilen sich deshalb oft eine Wohnung. Die Branche, die Wohnungen bauen soll, findet also selbst keine bezahlbaren. Auch für Neuankömmlinge vom Festland ist das ein Hindernis.
Dazu kommen die Kosten. Teure Material- und Energiepreise drücken die Margen, und bei festen Budgets bleiben Gebote aus. Das Ergebnis: In Spanien blieben bis jetzt 129 Ausschreibungen im Wohnungsbau ohne Zuschlag, zusammen 128,5 Millionen Euro schwer.
Und die Zeit läuft gegen die Wohnungssuchenden. Von der Planung bis zum Einzug vergehen nach einer Einschätzung etwa drei Jahre. Währenddessen suchen rund 55.000 Menschen ein Zuhause, und mehr als 24.000 Mietverträge laufen aus. Die Wohnungen sind also geplant, finanziert und angekündigt, aber es fehlen die Hände, sie zu bauen.
Mallorca-Immobilienmarkt 2026: Nichts geht mehr, außer den Preisen
Gute Nachrichten von der Insel: Es wird weniger gekauft, aber dafür teurer. Auf den Balearen gingen von Januar bis Juli rund zehn Prozent weniger Verkäufe über den Tisch als im Vorjahr, während die Preise trotzdem weiter steigen. Die Wirtschaftslehre muss das wohl noch einmal überdenken.
Ein Quadratmeter kostet inselweit im Schnitt 7.370 Euro, ein Plus von 9,8 Prozent. Seit 2015 sind die Preise um rund 97 Prozent gestiegen, die Inselgehälter bekanntlich nicht ganz so sehr. Wer sich ein „einfaches“ Objekt wünscht, hat Pech, denn davon gibt es 16 Prozent weniger, während Luxusimmobilien um 18 Prozent zulegen, im Südwesten sogar um 84 Prozent. Mallorca hat das Wohnproblem also elegant gelöst: Wer sich nichts leisten kann, wird einfach nicht mehr angeboten.
Weil Kaufen kaum noch jemand kann, wird jetzt verschenkt, und zwar kräftig: Die Schenkungen stiegen um 16 Prozent. Die Familie wird zum Immobilienmakler, nur ohne Provision, dafür mit Erbstreit.
Ach ja, und natürlich ist laut Branche alles ein „reifer, international etablierter Premiummarkt“. Übersetzt heißt das: Es gibt wenig Angebot, viel Nachfrage und jede Menge Optimismus bei den Maklern.
Wasserknappheit verschärft sich – Reserven auf 38 Prozent
Die Wasserknappheit auf Mallorca bleibt eines der drängendsten Themen dieses Jahres – und sie verschärft sich weiter. Die Reserven der Insel sind zuletzt auf nur noch rund 38 Prozent gesunken. Besonders kritisch ist die Lage in den großen Stauseen im Tramuntana-Gebirge: Der Gorg Blau ist nur noch zu etwa 36 Prozent gefüllt, der Cúber zu knapp 43 Prozent. Besonders betroffen ist die Gemeinde Deià im Nordwesten der Insel. Dort musste die Wasserversorgung in mehreren Ortsteilen zeitweise unterbrochen werden – betroffen war auch das bekannte Luxushotel La Residencia. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung verbraucht Deià derzeit rund 3.500 Kubikmeter Wasser pro Woche, etwa 35 Prozent davon müssen mittlerweile per Tankwagen herangeschafft werden. Die Zahlen machen auch den Unterschied zwischen Einheimischen und Feriengästen deutlich: Während der Wasserverbrauch für die lokale Bevölkerung auf 133 Liter pro Tag begrenzt ist, verbraucht ein Tourist im Schnitt zwischen 400 und 1.000 Liter täglich – bis zum Siebenfachen. Umweltverbände fordern angesichts dieser Zahlen strengere Sparmaßnahmen und einen bewussteren Umgang mit der knappen Ressource, gerade in den stark touristisch geprägten Regionen der Insel.
Prohens plant Ende der Kooperation mit Vox vor Wahl 2027
Auch innenpolitisch bewegt sich einiges auf den Balearen: Ministerpräsidentin Marga Prohens von der konservativen Volkspartei PP treibt offenbar eine strategische Neuausrichtung ihrer Regierung voran. Berichten zufolge plant Prohens, die bisherige Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Partei Vox schrittweise zu beenden und noch vor den Regionalwahlen im Mai 2027 einen klaren Kurswechsel zu vollziehen. Diese Kooperation hatte seit Beginn der Legislaturperiode für Diskussionen gesorgt, insbesondere bei Themen wie Migration, Sprachenpolitik und Umweltschutz. Mit der geplanten Distanzierung will sich die Präsidentin offenbar breiter in der politischen Mitte positionieren, um für die kommende Wahl neue Wählerschichten anzusprechen. Politische Beobachter werten den Schritt als Reaktion auf sinkende Umfragewerte der Vox-Partei auf nationaler Ebene und als Versuch, die eigene Partei als verlässlichen und moderaten Machtfaktor auf den Inseln zu präsentieren. Wie genau sich die Regierungsstruktur in den kommenden Monaten verändern wird, bleibt bislang offen. Klar ist jedoch: Die Vorbereitungen auf den Wahlkampf 2027 haben auf den Balearen längst begonnen, und die Frage möglicher neuer Koalitionen dürfte die politische Debatte auf der Insel in den kommenden Monaten maßgeblich bestimmen.
Balearen lehnen neues Finanzierungssystem aus Madrid ab
In der balearischen Politik sorgt der Streit um die Finanzierung der Autonomen Gemeinschaften weiter für Spannung. Anfang dieser Woche stimmte die balearische Regierung gegen ein neues Finanzierungssystem, das vom spanischen Finanzministerium vorgelegt und beim Rat für Fiskal- und Finanzpolitik in Madrid verabschiedet wurde. Aus Sicht der Inselregierung berücksichtigt das neue System die besonderen Forderungen der Balearen nicht ausreichend – etwa den erhöhten Finanzbedarf, der sich aus der Insellage, der touristischen Belastung der Infrastruktur und den saisonalen Bevölkerungsschwankungen ergibt. Die Regierung in Palma sieht sich dadurch gegenüber anderen spanischen Regionen benachteiligt. Der Konflikt reiht sich ein in eine längere Debatte darüber, wie die Finanzmittel zwischen Madrid und den Regionen gerecht verteilt werden sollten. Für die Balearen ist das Thema von besonderer Bedeutung, weil die Inseln zwar überdurchschnittlich zum spanischen Steueraufkommen beitragen, nach eigener Darstellung aber unterdurchschnittlich von staatlichen Investitionen profitieren. Beobachter erwarten, dass der Streit die Beziehungen zwischen der balearischen Landesregierung und der Zentralregierung in den kommenden Monaten weiter belasten wird – zumal sich die Insel bereits auf die Regionalwahlen im kommenden Jahr vorbereitet.
Das Wetter auf Mallorca
Aus dem Inhalt:
Tausende neue Wohnungen? Vorerst Fehlanzeige, Mallorca-Immobilienmarkt 2026: Nichts geht mehr, außer den Preisen, Wasserknappheit verschärft sich – Reserven auf 38 Prozent, Prohens plant Ende der Kooperation mit Vox vor Wahl 2027, Balearen lehnen neues Finanzierungssystem aus Madrid ab und das Wetter auf Mallorca.
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In diesem Sinne, eine schöne und eine erfolgreiche Woche auf der Insel oder wo auch immer Sie sind.
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