Der wöchentliche Newsletter des Deutschen club auf Mallorca
Folge 123 von Egon Garding
Moscari, schon bald haben wir wieder diesen Blick
Streik für alle: Am 11.11. legt sogar die Insel die Füße hoch
Am Mittwoch, dem 11. November, passiert auf Mallorca etwas, das seit 2012 nicht mehr vorkam: Die Gewerkschaften CCOO und UGT rufen gemeinsam zum 24-Stunden-Generalstreik auf, von null bis vierundzwanzig Uhr, also rund um die Uhr – für spanische Verhältnisse fast schon preußisch. Tatkräftige Verstärkung gibt es vom Mieterverband Sindicato de Inquilinas sowie von CGT, CNT und weiteren Gruppen, deren Kürzel klingen, als hätte jemand beim Scrabble den ganzen Beutel ausgekippt und „Arbeiterbewegung“ gerufen.
Hauptthema ist die Wohnungsnot, dazu kommen höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und weniger prekäre Jobs. Ein Anliegen, das auf einer Insel, auf der der Quadratmeter inzwischen mehr kostet als früher das ganze Haus, durchaus auf Verständnis stoßen dürfte. Die Schlichtung am 15. Oktober scheiterte, und bei Redaktionsschluss der Palma-Zeitung war noch offen, wie es mit Notdiensten für Flughafen und Busse aussieht. Man darf also gespannt sein, ob der Bus am 11. November pünktlich kommt oder, wie sonst auch, nur in Gedanken – diesmal immerhin mit gewerkschaftlichem Segen.
Der Händlerverband Pimeco bittet seine Mitglieder, trotzdem aufzusperren, getreu dem Motto: Die Revolution kann warten, die Kundschaft nicht. Wer streikt, entscheidet jeder Beschäftigte selbst; bezahlt wird der Ausstand nicht, dafür gibt es das gute Gefühl gratis. Und ganz nebenbei fällt der Streiktag zwei Tage vor den Beginn des Wahlkampfs für die Neuwahlen am 29. November. Reiner Zufall, natürlich – wie der Sonnenschein im August.
Unser Rat an Clubmitglieder: Die Reiseplanung für den 11. November vorsichtshalber mit Geduld, Proviant und der Einsicht versehen, dass auch eine Insel mal einen freien Tag verdient hat. Sie arbeitet schließlich das ganze Jahr für unseren Urlaub.
Nach dem Closing kommt das Opening
Auf Mallorca ist der Sommer vorbei, und das bedeutet: Closing. Am Ballermann floß zum letzten Mal das Bier, man singt zum letzten Mal laut und falsch, und alle schwören, bald wieder zu kommen. Das ist der schönste Moment des Jahres, denn er dauert höchstens bis zum Frühstück.
Denn nach dem Closing kommt das Opening. Die Insel kennt keinen Winter, sie kennt nur eine Pause mit Rechnungsstellung. Kaum ist die letzte Zugabe verklungen, wird schon der nächste Termin verkündet. Der nächste Termin steht schon: Vom 22. bis 25. April 2027 geht es wieder los. Der Kalender ist gefüllt, bevor der Kater des Vorjahres abgeklungen ist. Schon 2026 öffnete der Bierkönig an der Schinkenstraße „noch früher als sonst“. Früher als sonst, das ist die einzige Steigerung, die der Tourismus kennt.
Man muss das als Naturgesetz verstehen. Es gibt Ebbe, Flut und Saisoneröffnung. Wer zwischen Closing und Opening die Playa besucht, findet leere Strände, geschlossene Bars und Kellner, die erstmals wieder ihren eigenen Namen hören. Dann kommt der Frühling, und mit ihm kommen die Ersten, die schon im März wissen, wie sich ein Sommer anfühlt.
Das ist kein Abschied, das ist Marketing. Das Closing ist die Generalprobe fürs Opening im April, und das Opening beginnt, kaum dass die Bühne abgebaut ist. Wer hier „Tschüss“ sagt, meint „bis gleich“. Der Ballermann schließt nie. Er macht nur Pause, um Luft zu holen für die nächste Runde.
Winter im Anflug: Gelbe Warnung, Gewitter und Schnee, den man nur anschauen darf
Mallorca erinnert uns diese Woche daran, dass es neben Sonne auch noch Meteorologie gibt, und zwar nicht nur zum Angucken. Ein isoliertes Höhentief, im Fachjargon DANA, brachte Regen, Gewitter und gelbe Warnstufen. Am Donnerstag sollten binnen weniger Stunden bis zu 20 Liter pro Quadratmeter fallen, am Montag zuvor waren es in Port de Pollença und Pollença bereits 25 Liter. Die Temperaturen pendelten zwischen 8 Grad in den Bergen und etwa 23 Grad tagsüber, ein Wetter, das gleichzeitig Pullover und Sonnenbrille verlangt und einem beides verübelt.
Für Freitag sind wechselhaftes Wetter, ab und zu leichter Regen und Nebelbänke angesagt, am Samstag bleibt es meist bedeckt, wobei die Gefahr heftiger Niederschläge deutlich sinkt. Ein Highlight gibt es für Freunde der Kälte: Ab Samstag sinkt die Schneefallgrenze erstmals in diesem Jahr auf 1.400 Meter, trocken allerdings. Es gibt also Schnee-Atmosphäre ohne Schnee – das Mallorca-Modell des Winters, quasi Weihnachtsmarkt ohne Glühwein, aber mit Ausblick.
Wer nun in der Tramuntana wandern will, sollte Regenjacke, feste Schuhe und Respekt vor rutschigen Pfaden einpacken und die Warnungen der Wetterbehörde Aemet beachten. Der Rest der Insel darf sich damit trösten, dass Regen hier nicht Wetter, sondern ein Ereignis ist, über das man noch drei Tage lang spricht – meistens mit dem Satz „Das hatten wir ja ewig nicht“.
Stauseen bei 32,72 Prozent: Palma feiert das Glas, das zu einem Drittel voll ist
Gute Nachrichten für alle, die Wasserstände lieben: Die Stauseen, die Palma versorgen, sind laut dem städtischen Versorger Emaya zu 32,72 Prozent gefüllt. Vor einer Woche waren es 32,14 Prozent, im Vorjahr nur 27,17. Das klingt nach wenig, ist aber in der Mathematik des Mittelmeers ein Triumph. Man feiert hier schließlich auch, wenn ein Glas „noch zu einem Drittel voll“ ist, und prostet dem Rest optimistisch zu.
Im Detail: Gorg Blau liegt bei 31,27 Prozent und damit leicht über Vorwoche und Vorjahr. Cúber dagegen gab nach auf 31,89 Prozent, steht aber immer noch deutlich besser da als vor zwölf Monaten, als es 26,16 Prozent waren. Der Regen vom Dienstag hat geholfen, und weitere Niederschläge in der Serra de Tramuntana könnten folgen. Die Insel wartet auf den Himmel wie ein Hund auf den Postboten: voller Hoffnung, leicht nervös und mit hörbarem Gebell.
Damit ist niemand aus dem Schneider. Ein Drittel Füllung heißt, dass zwei Drittel noch fehlen, und jeder, der schon einmal im Hochsommer die Poolbefüllung diskutiert hat, weiß, wie schnell Zahlen zur Stimmung werden. Wir empfehlen daher den Clubmitgliedern weiterhin den bewussten Umgang mit Wasser und, für den Notfall, ein Regenschirm-Abonnement – oder wenigstens ein freundliches Wort an die Wolken.
Grunderwerbsteuer weg auf Mallorca
Frohe Botschaft von den Balearen: Die Grunderwerbsteuer fällt weg! Wer jetzt schon die Sektkorken sucht, sollte das Kleingedruckte lesen, denn
Regionalpräsidentin Prohens hat sie nur für die Jüngeren abgeschafft. Wer unter 36 ist und seine erste Wohnung kauft, zahlt nichts. Wer zwischen 36 und 40 ist, zahlt die Hälfte. Wer älter ist, zahlt weiter und darf zusehen.
Das nennt man Generationengerechtigkeit mit Altersgrenze. Mit 35 ist man ein Hoffnungsträger, mit 41 ein Steuerzahler. Dazwischen liegt eine Art Schonfrist, in der man gerade noch so tut, als sei man jung, und der Notar tut so, als glaube er es.
Auch die Hypothekensteuer soll halbiert werden, allerdings nur, wenn die Entlastung wirklich zu günstigeren Krediten führt. Man erkennt die Handschrift der Banken: Gute Absichten sind willkommen, solange sie nichts kosten. Dazu gibt es 10.000 Euro Zuschuss, einen größeren Garantiefonds und eine
Wohnungsplan mit hundert Maßnahmen und drei Milliarden Euro. Nur an einer Maßnahme fehlt es, nämlich an Wohnungen, die man damit kaufen könnte. Die
Preise auf der Insel sind bekanntlich nicht nach Alter gestaffelt.
Für uns Ältere bleibt der Trost: Wir sind in der Politik gut vertreten, nur nicht beim Steuerrabatt. Wer dennoch sparen will, behauptet beim Notar einfach, er fühle sich wie fünfunddreißig. Ob das gilt, entscheidet der Blick in den Ausweis. Und der ist wie so vieles, gnadenlos.
Nachtzüge bald auf Mallorca
Mallorca bekommt Nachtzüge. Das klingt nach Orient-Express, nach Schlafwagen und Kaviar, ist aber eher die Inselvariante: Der Betreiber SFM schickte zu
Allerheiligen acht Sonderzüge los, von Palma nach Manacor, Sa Pobla und Inca und wieder zurück. Es ist, wie man hört, eine Premiere. Dass die Insel dafür erst alle Heiligen versammeln musste, sei nur am Rande erwähnt.
Der Zweck ist ehrenwert: Wer nachts in Palma feiert, soll ohne Auto heimkommen. Das ist revolutionär, denn bislang bestand die Heimreise aus drei Optionen: Taxi, Hoffnung oder die geheime vierte, die wir hier nicht erwähnen.
Auch der Fahrplan hatte Charme. Um 00:00 Uhr nach Manacor, um 04:30 Uhr nach Inca. Wer um 04:31 Uhr aus der Kneipe stolpert, lernt Demut kennen und den Gehweg. Nachtschwärmer sind künftig angehalten, ihr Vergnügen zu takten wie ein Schweizer Uhrmacher.
Der Haken: Es sind Sonderzüge. Sie fahren, wenn ein Fest ist, und nicht, wenn man Durst hat. Mallorca will offenbar vorsichtig herausfinden, ob die Bevölkerung nachts wirklich nach Hause will, bevor sie es dauerhaft ermöglicht.
Wir bleiben optimistisch. Wer um halb fünf im Zug sitzt, sieht die Insel schlafen und die Müllabfuhr aufstehen. Ein Erlebnis, für das andere Länder Eintritt nehmen. Hier ist es im Fahrpreis inbegriffen.
WETTER, WETTER, WETTER
Das Mallorca-Wetter: Sieben Tage Sonne, Wolken und Ausreden
Donnerstag, 5. November 2026 · für Egon Garding
Liebe Hörerinnen und Hörer, hier ist Ihr Wetterbericht für die schönste Insel der Welt – laut Tourismusverband.
Samstag, 7. November – 19/13 °C
Meist bedeckt, Wind dreht Richtung Süd/Südost. Perfekt für Kaffee, Ensaimada und die Ausrede, den Strandtag zu verschieben.
Sonntag, 8. November – 21/14 °C
Teils sonnig, Nordost mit 8 km/h – ein Lüftchen, das nicht mal die Palmwedel nervös macht.
Montag, 9. November – 23/18 °C
Wolken überwiegen, dafür mild wie ein Mallorquiner nach der Siesta. Die Sonne hat laut Prognose nur rund eine Stunde Dienst.
Dienstag, 10. November – 23/18 °C
Teils sonnig, schwacher Westwind. Zeit für die Lieblingsbeschäftigung der Residenten: Auf der Terrasse sitzen und so tun, als wäre es Hochsommer.
Mittwoch, 11. November – 23/18 °C
Teils sonnig, Südwestwind mit etwa 13 km/h (Angabe nur teilweise abgesichert). Wochenfazit: erst nass, dann wunderbar. Die Insel hat sich ausgeheult.
Meerestemperatur: Dazu fand sich keine verlässliche Angabe – fühlen Sie selbst, aber vorsichtig mit dem großen Zeh.
Donnerstag, 12. November – 21/15 °C
Guten Morgen, Mallorca! Aemet hat Gelb ausgerufen: bis zu 20 Liter pro Quadratmeter und Gewitter, weil ein Höhentief namens DANA vorbeischaut. Nachmittags Auflockerungen. Schirm einpacken – der Inselbewohner nennt das „Gratis-Autowäsche“.
Freitag, 13. November – 20/13 °C
Wechselhaft, vereinzelt leichter Niederschlag, stellenweise Nebel. Die Insel trägt Watte. Touristen fragen: „Wo ist das Meer?“ – „Hinter dem Nebel, Señor.“