Mallorca 02. Woche
Wichtige Kurznachrichten aus Mallorca
Folge 87 von Egon Garding
„Die Plakette, die Palma verändert – und uns gleich mit“
Es gibt Momente, in denen eine Insel merkt, dass sie erwachsen geworden ist. Für Mallorca ist dieser Moment der 1. Januar 2025. Seit diesem Tag hat Palma eine Umweltzone – und plötzlich reden alle über Plaketten, als wären sie die neue Währung des guten Benehmens.
Die Regeln sind eigentlich klar, aber wie so oft im Inselleben steckt der Teufel im Detail. Die Zona de Bajas Emisiones umfasst den Bereich zwischen den Avingudes und dem Paseo Marítimo – also genau dort, wo man früher mit dem Auto „mal eben“ durchhuschte, um einen Parkplatz zu suchen, der ohnehin nicht existierte. Heute entscheidet eine kleine runde Plakette darüber, ob man rein darf oder draußen bleiben muss.
Wer darf rein – und wer bleibt draußen?
Zunächst einmal: B, C, ECO oder 0 Emisiones – das sind die magischen Buchstaben und Zahlen, die den Weg in Palmas Altstadt freimachen.
Ältere Diesel und Benziner? Die bleiben draußen. Und das ist erst der Anfang:
Ab 2027 verlieren Fahrzeuge mit B-Plakette ihr Stadtrecht.
Ab 2030 trifft es auch die C-Plakette – dann dürfen nur noch ECO und 0 Emisiones hineinrollen.
Die Stadt kontrolliert das Ganze mit Kameras, die Kennzeichen scannen und mit einer Datenbank abgleichen. Wer ohne gültige Plakette erwischt wird, zahlt bis zu 200 Euro – Wiederholungstäter sogar mehr. Ein teures Souvenir.
Und was ist mit deutschen Autos?
Hier wird’s spannend:
Eine spanische Umweltplakette bekommt ein deutsches Auto nicht – das ist schlicht nicht vorgesehen.
Aber: Die deutsche grüne oder blaue Plakette wird akzeptiert, solange sie den spanischen Kategorien entspricht.
Das heißt: Wer mit einem modernen Wagen aus Deutschland kommt, kann weiterhin entspannt in die Stadt fahren. Wer mit einem alten Diesel kommt, sollte lieber eines der Parkhäuser außerhalb der Zone ansteuern – die liegen praktischerweise ohnehin vor der Schranke zur neuen Umweltweltordnungmallorca-entdecker.de.
Warum das Ganze?
Weil Palma – wie alle Städte über 50.000 Einwohner – die EU-Vorgaben erfüllen muss. Weniger Abgase, weniger Lärm, bessere Luft. Klingt gut, und ist es auch.
Die Insel hat lange genug unter dem Verkehr gelitten, besonders im Sommer, wenn die Stadt ächzt und die Motoren glühen. Die Umweltzone ist also nicht nur Bürokratie, sondern ein Versuch, Palma wieder etwas atmen zu lassen.
Und wir Inselbewohner?
Wir passen uns an. Wir schimpfen kurz, dann organisieren wir uns – typisch Mallorca.
Die einen beantragen die Plakette online, die anderen fahren künftig öfter Bus oder Rad. Und manche überlegen, ob es nicht doch Zeit für ein neues Auto ist
Die Umweltzone ist kein Weltuntergang, sondern ein Wendepunkt.
Ein kleiner Schritt für die Stadt – aber ein großer für alle, die hier leben, arbeiten oder Urlaub machen.
Und vielleicht, ganz vielleicht, wird Palma dadurch ein bisschen ruhiger, sauberer und lebenswerter.
Eine Plakette kann eben mehr verändern, als man denkt.
Ein Auto pro Familie – Utopie oder überfällige Idee?
Da wir schon mal beim Auto sind. Manchmal frage ich mich, ob Mallorca wirklich eine Insel ist oder längst ein einziger großer Parkplatz. Wer im Sommer durch Inca, Alcúdia oder Palma fährt, weiß: Die größte Herausforderung ist nicht der Verkehr selbst, sondern der Kampf um die letzten freien Quadratmeter Asphalt. Und während wir uns durch die Straßen schlängeln, taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wie viele Autos braucht eine Familie eigentlich?
Die ehrliche Antwort ist unbequem. Viele Haushalte auf der Insel haben zwei, drei oder sogar vier Fahrzeuge. Nicht aus Luxus, sondern aus Notwendigkeit: Der Bus fährt selten, der Zug fährt nicht überall, und wer in Selva wohnt und in Palma arbeitet, weiß, dass „pünktlich“ ein Wort aus einer anderen Welt ist. Mobilität ist hier kein Lifestyle, sondern Überlebensstrategie.
Doch gleichzeitig wächst der Druck. Die Insel ächzt unter Verkehrsaufkommen, Lärm und Abgasen. Die Straßen sind voll, die Parkplätze leer, und die Geduld der Anwohner ist längst aufgebraucht. Ein Auto pro Familie – das klingt nach einer radikalen Idee, aber vielleicht ist es genau die Art von Radikalität, die wir brauchen, um überhaupt wieder atmen zu können.
Natürlich wäre das nicht von heute auf morgen machbar. Es bräuchte Alternativen: verlässliche Busse, echte Radwege, Carsharing, Shuttle-Lösungen für Pendler. Und es bräuchte Mut. Politischen Mut, aber auch unseren eigenen. Denn am Ende ist Mobilität nicht nur eine Frage von Motoren, sondern von Gewohnheiten.
Vielleicht ist es Zeit, dass wir uns fragen:
Wollen wir weiterhin im Stau stehen – oder wollen wir uns bewegen?
Mallorca hat schon oft bewiesen, dass es Wandel kann. Vielleicht wäre dieser Schritt der nächste Beweis dafür.
Wird Palma Europäische Kulturhauptstadt?
Kurz gesagt: Palma bewirbt sich offiziell um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2031“. Die Bewerbung wurde im November 2025 in London vorgestellt.
Was steckt hinter der Bewerbung?
Die Stadt verfolgt ein klares Ziel: Weg vom reinen Sonne‑Strand‑Party‑Image, hin zu einem kulturell geprägten, nachhaltigeren Tourismusmodell.
Zentrale Punkte der Bewerbung
„Palma Capital Cultural Europea 2031“ – offizieller Bewerbungsname
Kultur als Motor für nachhaltigen Wandel: Bürgermeister Martínez betont, Kultur könne den Tourismus „in neue Bahnen leiten“ und die Zukunft des Mittelmeerraums neu definieren
Große städtebauliche Projekte:
Umbau der Plaça Major zu einem „urbanen Amphitheater“
Entwicklung von Nou Llevant und der Uferzone zu einem Kreativviertel mit Fokus auf Nachhaltigkeit
Erweiterung des grünen Korridors rund um Son Quint und Castell de Bellver
Starke politische und institutionelle Unterstützung: Balearen-Regierung, Inselrat und mehrere Gemeinden stehen hinter der Bewerbung
Warum Palma gute Chancen hat
Die Stadt hat bereits ein starkes kulturelles Profil: Miró, Plensa, Halley und die Nit de l’Art werden als Beispiele genannt.
Die Bewerbung passt perfekt zu aktuellen europäischen Themen: Nachhaltigkeit, Innovation, kulturelle Identität.
Fazit
Ja — Palma ist offiziell im Rennen um die Kulturhauptstadt Europas 2031.
Die Bewerbung ist ambitioniert, strategisch und könnte die Stadt langfristig verändern.
Das Mallorca Wetter
Wochenende: Der Himmel macht, was er will
Das Wochenende auf Mallorca wird eine Art meteorologisches Überraschungsei:
Samstag: Die Sonne schaut kurz vorbei, so wie ein Nachbar, der nur „mal eben“ was fragen will – und dann doch wieder verschwindet.
Sonntag: Weiterhin freundlich, aber mit dem typischen mallorquinischen Wind, der gerne mal so tut, als wäre er ein Föhn auf Stufe 3.
Temperaturen um die 12–14 Grad – perfekt für alle, die sich nicht entscheiden können, ob sie frieren oder schwitzen wollen.
Nächste Woche: Sonne, Wolken und ein Hauch Chaos
Die neue Woche startet mit einem Mix aus allem, was der Wettergott im Januar so findet:
Montag bis Mittwoch
Sonne und Wolken wechseln sich ab wie zwei Kinder, die sich um die Fernbedienung streiten.
Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad – also „Jacke an, Jacke aus“-Wetter.
Donnerstag & Freitag
Die Sonne gewinnt an Selbstbewusstsein und zeigt sich häufiger.
Der Wind bleibt allerdings motiviert und pustet weiter fröhlich durch die Insel.
Regen? Nur eine kleine Chance – so klein wie die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in Inca nicht über das Wetter spricht.
Der Wind bleibt die ganze Woche über ein treuer Begleiter – mal sanft, mal so, als hätte er drei Kaffees zu viel getrunken.
Ideal für:
Drachen steigen lassen, Wäsche, die du nie wieder siehst, Frisuren, die du nie geplant hast
Fazit
Mallorca zeigt sich launisch, aber charmant – wie immer. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Wolke, ein bisschen Wind…